Interview mit Nicolas Mahler (2005)

Lone Racer
Nicolas Mahler muss man hier wohl nicht mehr vorstellen. Nichtsdestotrotz hier eine Einleitung:

 

Wienweit bekannt ist seine Kreation FLASCHKO – der Mann in der Heizdecke, die es bereits zu zwei Versionen gebracht hat: einerseits als Trickfilm, andererseits als Comic Strip. Graphisch reduziert, wie alles von Mahler, thematisiert er die Beziehung zwischen Flaschko, dem Mann in der Heizdecke, und seiner Mutter. Der Fernseher ist ebenfalls ein bedeutender Player in den surreal leicht überspitzten Episoden.

 

Mahler beherrscht das Comic-Medium meisterlich: zumeist trocken und sehr spitz porträtiert er das Leben leicht verschrobener Charaktere.
Scheinbar mühelos geht es psychologisch in die Tiefe, bleibt aber immer frisch und witzig. Mahler bleibt der Humor-Tradition der ersten Zeitung-Comic Strips treu, und sein Witz ist subtil und nuancenreich: die ganze Palette des Lebens hält hier Einzug und breitet sich in seinen Geschichten aus.

Versiert im Erzählen von kurzen Strips und Gag Cartoons, zeigt sich in letzter Zeit aber eine Tendenz zu langen Stories: kurze Gags mit Pointe machen längeren Geschichten Platz. Besonders außergewöhnlich ist Nicoals Mahlers weit entwickeltes graphisches Vokabular voll Ecken und Kanten und wirren kurven, das gerade aufgrund seiner Reduziertheit eine aufregende Lesbarkeit entfaltet. Mahler lebt und arbeitet in Wien, kommt aber dabei sehr viel rum in der Welt. Sein letzter Comic ist Van Helsing´s Night Off für Top Shelf (zu deutsch erschienen als VAN HELSING MACHT BLAU bei Reprodukt). Auch empfehlenswert mein persönlicher Favorit KUNSTTHEORIE VERSUS FRAU GOLDGRUBER.

Wenn du an „Comics“ denkst, woran denkst du? Was ist deine spontane unzensierte Assoziation?

Kinderkram.

Warum magst du Comics? Was zeichnet Comics aus?

Sie sind angenehm unprätentiös.

Unserer Erfahrung nach haben recht viele junge Leute ein sympathisches Bild von Comics, und sind prinzipiell interessiert an diesem Medium. Das Interesse reicht aber selten aus, dass sie tatsächlich Comics kaufen. Ist das auch deine Beobachtung? Wenn ja, warum ist das so, deiner Meinung nach?

Wenn ich von mir ausgehe, und ich kaufe ja selber auch keine Comics, dann ist das große Problem, dass die meisten Comics inhaltlich einfach unzumutbar sind. Rein inhaltlich fallen mir leider nicht sehr viele Comics ein, die ich auch einem literarisch Interessierten empfehlen würde. Andererseits wäre das ja ein Garant für Massenerfolg, also versteh ich’s eigentlich auch nicht.

Woran arbeitest du zur Zeit? Comic oder was anderes?

Ich hab gerade die Arbeit an einem neuen Film abgeschlossen, der im März bei der Diagonale Premiere hat, und hab mit den Vorbereitungen für den nächsten begonnen.

Wenn ich es mir nicht wieder anders überlege, wird das dann ein etwas eigenartiger „Experimentalfilm“.

Dann überlege ich gemeinsam mit den Leuten, die mein Buch KRATOCHVIL als Bühnenstück umgesetzt haben, ein neues Theaterprojekt. Und in Kanada wird demnächst mein erster Gedichtband erscheinen! Ich versuche meinen eigenen Ladenhüterrekord zu brechen, und da kommen mir Gedichte noch am zielführendsten vor. Vor allem, da nicht einmal Gedichte im herkömmlichen Sinn drin sein werden. Mein Ziel ist es, weniger als 5 Exemplare zu verkaufen.

Wie verteilt sich so in letzter Zeit dein Arbeitspensum? In einer durchschnittlichen Woche, arbeitest du beispielsweise zu 60% an Comics und zu 40% an Illustrations-Jobs?

Illustrations-Jobs hab ich nicht viele, und wenn, dann aus dem Ausland.
Dafür sind die wenigen dann meist recht gut bezahlt, da kann ich mir dann erlauben, Wochen an einem brotlosen Buch zu arbeiten. Aber im Prinzip, würd‘ ich sagen, teilt sich die Zeit in 80% für Arbeiten aus Eigeninitiative, und 20% für Aufträge.

Fühlst du dich als Zugehöriger zu einer Szene? Wenn ja, was wünschst du dir von dieser Szene?

Teil einer Szene bin ich sicher nicht, vor Szenen gruselt es mich eher, in Wien kann man das ja sehr schön beobachten, es ist ekelhaft.
Ich find’s angenehm, Einblick in viele Szenen zu haben, aber nicht wirklich dazuzugehören.

Welche Künstler interessieren dich gerade? Wer macht zur Zeit spannende Dinge (egal ob Comic oder sonstwas)?

Ich bin kein Fan-Typ, und kann mich schwer für etwas haltlos begeistern. Es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die ich gut finde, aber auf Personen kann ich das jetzt nicht ausweiten. Es macht ja jeder irgendwann unglaublichen Scheißdreck, und dann wieder bessere Sachen.

Du bist international bekannt, deine Bücher sind in mehreren Sprachen bei mehreren internationalen Verlagen rausgebracht worden. Wenn nicht in Wien, wo würdest du dann gerne leben?

Wien bietet sich beruflich für einen Zeichner meines Stils natürlich überhaupt nicht an. Aber das Positive am Zeichnen ist ja, dass man mit relativ wenig Aufwand auch im Ausland publizieren kann, und das nutze ich schon aus.

Was ist deiner Meinung nach wichtig, um eine Laufbahn als Künstler einzuschlagen? Was hat dir geholfen? Welche Erfahrungen kann man sich ersparen?

Tips kann ich da sicher keine geben, es geht ja jeder anders vor. Am besten ist natürlich, wenn man sonst nichts anderes kann, da muss man dann nicht allzuviel überlegen.

Wenn du in der Früh (oder wann immer) aufstehst, welche Gedanken treiben dich voran, motivieren dich?

Wenn ich das wüßte.

Gibt es noch eine Frage, die wir zu stellen vergessen haben, die du aber trotzdem beantworten möchtest?

Nein.

(Alle Abbildungen copyright Nicolas Mahler )

Nicolas Mahler beim Interview

 

 

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