Nicolas Mahler-Tribute beim Vienna Independent Shorts-Kurzfilmfestival am 31.05.2011

"The magic in Nicolas Mahler’s work does not exist in its impeccable
writing, or in its elegant drawings, but in the strange alchemy between
the two." — Lewis Trondheim

Cover zu "Bad Job" – Coypright Nicolas Mahler und Edition Pasteque

Weitere Details zum VIS-Tribute to Nicolas Mahler finden sich in diesem Text:

"Nicolas Mahler ist ein international überaus erfolgreicher Künstler in
einem Bereich, der in Österreich immer noch zu wenig ernst genommen
wird: er ist Comiczeichner.


Zahlreiche internationale Publikationen belegen die große Anerkennung,
die Mahler außerhalb von Österreich genießt, von seinen bislang
insgesamt 25 Publikationen erscheinen Werke in Österreich, Schweiz,
Deutschland, Tschechien, Polen, USA, Kanada, Frankreich, Norwegen und
Spanien. Auch die Anzahl der internationalen Auszeichnungen lässt sich
durchaus sehen. Bereits dreimal in Folge erhielt er den „Max &
Moritz“-Preis des internationalen Comic Salons Erlangen, der als die
wichtigste Auszeichnung für Comics im deutschsprachigen Raum gilt; 2010
als „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“.

 

Die Covers zu "Planet Kratochvil" und "Flaschko, der Mann in der Heizdecke: Die Müllsekte" – beide Coypright Nicolas Mahler und Edition Moderne

Mahlers gezeichnete Geschichten, Situationen und Zustände bestechen
durch seinen unverwechselbaren radikal minimalistischen Zeichenstil,
durch die mit oftmals von lakonischem Humor getragenen und präzise
gesetzten Kombinationen aus Text und Bild und schließlich durch Mahlers
ganz eigene Haltung der Welt und dem Mensch gegenüber, die zwischen
(gesellschafts-)kritischer Analyse und einer Art existenzialistischen
Verzweiflung pendelt. So spricht etwa Christian Gasser von Mahlers
„scharfem Blick für die Erbärmlichkeit und die Absurdität der
menschlichen Existenz“.


Wenden wir uns Mahlers Animationsfilmen zu. Mit „Flaschko – der Mann in
der Heizdecke“ (2002) beginnt Mahler die Expansion seiner Comics in den
Bereich der „time-based art forms“, und wären die Statistiken der
Filmabteilung des BM:UKK nicht so speziell für eine eher engstirnige
Konzeption von „innovative films“ als einzig förderwürdige Kategorie
ausgelegt, so müsste diese Trickfilmserie als eine der international am
besten besuchten österreichischen Filmproduktionen gelistet sein: 70
internationale Festivals zeigten die Serie und über 60.000 Besucher im
regulären Kino-Betrieb in Deutschland, der Schweiz und Österreich hatten
dank der Kurzfilmagentur Hamburg Gelegenheit, sich an Flaschko als
Vorfilm im Kino zu erfreuen. Seit acht Jahren wird der Film regelmäßig,
vor allem in Deutschland und das mit sogar steigender Tendenz, gebucht.
Nach „Flaschko“ hat Mahler weitere seiner Comics filmisch umgesetzt, und
wie bereits bei „Flaschko“ experimentiert er dabei detailbesessen mit
den für ihn neuen Gestaltungmöglichkeiten der zeitlichen Kunst.

 

Das Cover zu "Kunsttheorie versus Frau Goldgruber" – Coypright Nicolas Mahler und Reprodukt

Besonders aufmerksam und ähnlich minimalistisch wie bei seinen
Zeichnungen konzentriert er sich auch auf die Gestaltung der akustischen
Ebene, verwendet seltsam ausgefallene Soundtracks („Bad Job“ – 2006,
„Planet Kratochvil“ – 2008), inszeniert gekonnt kommentierende
Sprecherstimmen („Der Park“ – 2005, „Planet Kratochvil“ – 2008) oder
geht in „Mystery Music“ (2009) eine Kooperation mit dem experimentellen
Musiker / Komponisten Ulrich Troyer ein, durch dessen Mitwirkung der
Film auch zu einem leicht ironischen Kommentar gängiger Klischees in
zeitgenössischer elektronischer audio-visueller Kunst wird. Allen
filmischen Arbeiten Mahlers ist jedenfalls gemeinsam, dass er bemüht
ist, die Grenzen der Rezeptionsgewohnheiten zu erweitern, was ihn
fraglos zum „Avantgardisten des animierten Comics“ macht.

Aus Anlass des österreichischen Tributes für Nicolas Mahler hat dieser
rund um sein eigenes Werk eine Auswahl seiner Lieblingsfilme
selektiert.
"

Text-Copyright VIS 2011

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