Lukas Weidingers „AZEK: der hungrige Kater“ – eine Rezension von René Peter

Der Prolog im ersten Heft ist der Rahmen und Start für die einzelnen,
unterschiedlich langen Geschichten. Unterhaltsamerweise beginnt alles im
Tierheim und „Azek“ erzählt einleitend einem „Typen ohne Namen“ – das
ist ein tierischer (anthropomorpher) Mitinsasse im Heim – seine
Geschichte.  Da ist auch einiges zu Erzählen. Des ursprünglichen
Hauskaters heiße Affäre mit seinem Frauchen zum Beispiel. Die läuft nur
dann nicht so wirklich gut und bringt „Azek“ auch ins Tierheim. Kaum in
die Freiheit ausgebüchst, muß er aber um seinen Lebensunterhalt
tricksen, betteln, stehlen und ist trotzdem immer wieder „so
richtig hungrig“.
Zufällig ergibt sich da für ihn ein Job mit einem Vertrag für
Katzenfutterwerbung im TV. Viel Kohle zu verdienen – daher eigene, teure
neue Wohnung, ist aber auch schwere Arbeit, weil Unmengen an
Dosenfutter sich natürlich auf den Magen schlagen.  Kotz!!! Speiende
Kater enttäuschen natürlich die Freundin (ist übrigens wieder „Azeks“
Exfrauchen vom Storybeginn) und schon ist die feine Wohnung und auch die
Kohle wieder weg.  Tierheim! Wie die Geschichte im Detail da wirklich
gelaufen ist, muß man sich zum Teil selbst zusammenreimen.
Sonst gibt´s noch laufend Gags, zum Beispiel mit einer reichen Ente im
dicken Auto mit Chauffeur und einem gebratenen Entenschlegel,
Würstelstand- und Restaurantgeschichten und auch die „Erklärung der
Nahrungskette“ – bis zum fäkalen Ende. Zum Abschluß als Bonus auf den 2
letzten Seiten eine Kurzgeschichte, mit dem uns allen von Deckeln
diversester Lieferpizzaschachteln bekannten Pizzakoch. Die 32 Seiten des
Comics unterhalten und sind kurzweilig bis zur letzten Seite.

 

"Azek, der hungrige Kater 02: Von der Hand in den Mund"

Am Beginn des zweiten Heftes, das ohne die Kapitelstruktur des ersten
Bandes auskommt und aus einer langen Geschichte mit einem Erzählstrang
besteht, ist vorerst Ende des Hungerns für „Azek“. Ein neues Herrchen
holt ihn aus dem Tierheim und verspricht ausreichend Futter. Bedingung
dafür ist die „Erledigung“ einer gefräßigen Ratte, die alles Eßbare im
neuen Heim frißt, eigentlich so wie´s gezeichnet ist, vernichtet. 
„Razek“ die Ratte, die vom Aussehen auch eine Maus sein könnte, ist aber
schlau und ziemlich außerhalb der Regeln des „Bürgerlichen
Gesetzbuchs“. Kein Wunder mit 35 Kindern! Sie überredet „Azek“, die
tragbaren schönen Dinge des neuen Heims wie Stereoanlage und
Großbildfernseher der Einrichtung zu stehlen und zum Hehler in der
Innenstadt zu tragen. Also abgleiten ins Kriminelle! Da wird dann
gemeinsam auch eine Line gezogen, also Koks geschnupft und auch mit
sonstigen Drogen gegiftelt. Vom Hehler betrogen um den Anteil des
Raubguts, schon wieder auf der Straße!  Kurz davor ist da auch „Razek“
im Comic fast schon die Hauptperson. Nein doch nicht, einen Koch gibt es
auch noch, „Maila“ das ehemalige Frauchen und die Geliebte, Vögel
(eventuell Hühner?), einen außerordentlich authentisch wirkenden Junkie
und am Ende eine verspeiste Ratte. „Manchmal im Leben bekommen manche
Leute doch noch, was sie wollen“  ist der passende Schlußsatz dieses
Hefts.

Wilde slapstickartige Geschichten eines Katers als Lebenskünstler, an
Undergroundcomix erinnernd, mit einer Menge originellen Personals,
anarchisch, subversiv, hin und wieder derb und unterhaltsam. Obwohl
generell im Comic kein Mangel an Katzen herrscht, wirkt Lukas Weidingers
„Azek“ eigenständig, individuell und authentisch. Die Charakterisierung
der einzelnen Figuren ist schlüssig und plausibel und einzelne Verweise
auf Tom und Jerry und Disneyfiguren sind als Gags schon sehr lustig.
Passend zur Geschichte tauchen auch immer wieder Hinweise auf die
Werbebranche auf.
Das hohe Erzähltempo und die Wiedererkennbarkeit des Erzählten hält die
Aufmerksamkeit des Lesers wach. Auch ansatzweise wird´s nie langweilig.
Es sind aber nur wenige Grundbedürfnisse, die die Grundstruktur der
Geschichten  bilden: Essen, trinken, ein gemütliches Heim haben, Nähe,
Zuneigung, Gespräche, Sex und natürlich auch Geld, also materielle
Abgesichertheit. Auch die Sets der Szenen sind mit Wohnungen, Tierheim,
Straße, Restaurants, Würstelstand begrenzt. Das fällt einem beim Lesen
aber erstaunlicherweise nicht auf.
Flott, locker, mit sicherem, feinem Strich und stilistisch konsistent
sind die Zeichnungen. Die Möglichkeiten der Gestaltung im Comic werden
sowohl in den einzelnen Panels als auch in der Seitengestaltung genutzt.
An Piktogramme, Geschichten mit wenig aber auch  mit viel Text,
dynamische Perspektivenwechsel,  vielfältig variierte Seitengestaltung
(mit und ohne Rahmen) und auch an gut gesetzte Speedlines kann ich mich
erinnern. Fein auch die Herstellung der Stimmung durch Schattierungen in
den Nacht- und Hehlerszenen. 
Alles in allem eine vergnügliche, unterhaltsame und gelungene Sache mit
diesem „Azek“, wenn da nicht noch was wäre. Entweder hab´ ich´s irgendwo
im Heft übersehen, aber wenn nicht, würde ich am Cover oder auch
sonstwo noch den Namen „Lukas Weidinger“ groß draufdrucken. Der fehlte,
mir zumindest!"

Rezensionstext-Copyright René Peter 2012. 

Epilog: Lukas Weidinger hat Wien leider in Richtung Leipzig verlassen und
hinterlässt eine klaffende Wunde (au!Au!) in der österreichischen
Comiclandschaft. Er bleibt dem Comic-Machen aber treu: ich freue mich auf ein Wiedersehen
mit Lukas am Comic-Salon Erlangen 2012, wo er beim PICTOPIA-Stand
signieren wird.

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