NEXTCOMIC Festival – eine Darstellung von Alexander Kesselring

Alexander Kesselring, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei PICTOPIA und wohl einer der fleißigsten Comic-Rezensenten Österreichs, hat einen allgemeinen Bericht zum dritten NEXTCOMIC-Festival in Linz verfasst, welches dieses Wochenende eröffnet wird:

„Am 4.3.2011 eröffnet bereits zum dritten Mal das NEXTCOMIC Festival mit 14 verschiedenen Locations in Linz (darunter zum Beispiel das Offene Kulturhaus, Ars Electronica Centre, Ursulinenhof) und weiteren Locations in Wels und Gmunden. Das verbindende Thema ist die „Intermedialität“ von Comics – Wie nehmen andere Medien (Film, Gamedesign, Mode etc.) Comic Stoffe auf und wie werden diese Medien wiederum im Comic aufgenommen?

NEXTCOMIC bietet mit seinen Veranstaltungen einen umfassenden Einblick in das Comicuniversum, das scheinbar unaufhaltsam expandiert und dabei mediale Grenzen ebenso wie kulturell gesetzte Grenzen (Kunst/Unterhaltung, Hochkultur/Populärkultur) überschreitet. Comics schaffen neue Verbindugen zwischen verschiedenen Bereichen von Kunst und Kultur und folgen darin den subjektiven Erfahrungsgeschichten der AutorInnen selbst…“

(In Aktion beim ersten NEXTCOMIC-Festival 2009, von links nach rechts: Alexander Kesselring, verkühlt mit Mütze, ehrenamtlicher Assistent bei PICTOPIA und fleissiger Comic-Rezensent für thegap, Kai Pfeiffer von Monogatari und avant-verlag in hellbrauner Weste, dann ich mit Schirt und Glatze, und ganz rechts im schwarzen Anzug Jörg Vogeltanz, Verlagsgründer von PreQuel und seines Zeichens Zeichner von „Wired Worlds“ und „Inmates“ und allen anderen Prequel-Publikationen. Foto via culturmag.de)

„In unseren Alltagswelten überblenden sich leichte Unterhaltung und anspruchsvolle Kunst, Episodisches und Episches, Profanes und Transzendentes im Wechsel unseres Medienkonsums zwischen Spielkonsolen, Fernsehern, mp3 Playern, Büchern und Comics. Das Comicmedium scheint sich diesem veränderten Umgang mit Kultur früh und umfassend geöffnet zu haben und hat es so ZeichnerInnen/AutorInnen erlaubt, ihren subjektiven medialen und inhaltlichen Kombinationen vorbehaltslos nachzugehen. Vielleicht hatte die zumindest im deutschsprachigen Raum vorherrschende Etikettierung als „Populärkultur“ hier sogar eine entlastende und neue Möglichkeiten eröffnende Wirkung.

Die Vielfalt, Individualität und – auch ohne „Kanon“ auskommende – künstlerische Qualität im Comicbereich ist in den letzten Jahren immer sichtbarer geworden, insbesondere in Europa. Eine Überbetonung und Abgrenzung des „Europäischen Comics“ ist daraus aber nicht entstanden – und das ist sympathisch und vielleicht typisch für Comic.

NEXTCOMIC bringt so medial, inhaltlich und geographisch Entlegenes zusammen: Klassische amerikanische Superhelden („60 Jahre Fantastic Four“ im offenen Kulturhaus, Linz), die Evolutionsgeschichte in Comicform (Jens Harders „alpha.Directions“ in den Kammerhof Museen, Gmunden), Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“ als kunstvolle Comicadaption (Manuele Fior live im Theater Phönix, Linz), Comics inspiriert durch mystische oder mystifizierte Objekte aus ganz Europa (Das slowenische Comic-Kollektiv Stripburger im Kulturverein KAPU, Linz), die frühen Jahre der Beatles (Arne Bellstorfs „Baby’s in Black“ im Medienkulturhaus Wels), den bekanntesten Klempner der Welt: Super Mario (Charakter Design und Game Entwicklung im AEC, Linz) und vieles mehr…

Das Thema „Intermedialität“ drückt sich beim NEXTCOMIC Festival auch in den verschiedensten Formen der Präsentation aus:
Lesungen, Ausstellungen, Modeschauen („Cosplay“), Workshops, Filme und Perfomances werden an sehr unterschiedlichen Location stattfinden (in einem Theater, in einem Einkauszentrum, in Museen, Gallerien etc.), die das jeweils Präsentierte in einen besonderen Rahmen stellen.

NEXTCOMIC bietet darüber hinaus die Möglichkeit zahlreiche KünstlerInnen persönlich zu erleben: Manuele Fior, Nicolas Mahler, Arne Bellstorf, Jens Harder und viele andere werden ihre Werke an verschiedenen Locations vorstellen.“

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