Linda Bildas „Die goldene Welt“: Comic-Präsentation am 28.5.
Linda Bildas Comic „Die goldene Welt“ erfährt seine Präsentation am Donnerstag den 28.5. in der Wiener Secession.
Dieser schlichte Satz beschreibt nicht, was ich damit alles verbinde, denn wir feiern die Fertigstellung eines einzigartigen österreichischen Comicprojekts – ohne dessen Autorin, die 2019 vollkommen überraschend und viel zu früh verstarb. Diese erstmals publizierte Version wurde in editorischer Arbeit mit Zeichnungen und handschriftlichen Notizen aus dem Nachlass Linda Bilda rekonstruiert.
„Die goldene Welt ist ein Comic, der die Realität durch unsere Gedanken verändern will. Der schnellste Comic des 21. Jahrhundert zeigt uns den Wettkampf um eine Erbschaft von 1 Milliarde Dollar. Geld, Drogen, Verbrechen, Sex, Musik, Wirtschaftskrisen, Terror, Liebesgeschichten, Aufstände, alles was die heutige Realität zu bieten hat.“ – Linda Bilda
Wer war Linda Bilda?
Sie war durch und durch Künstlerin, „Feminist Until Death“ und Anarchistin – daneben auch Unternehmerin und Mutter.
Ihre künstlerische Praxis war äußerst vielschichtig, komplett sui generis, und dabei immer dringlich, politisch und aktivistisch.
Ihre Malerei verfügte über eine einzigartige Sensitivität und Ästhetik – expressive, kräftige Farben, in ihrer eigenen dynamischen Formenwelt lebend, direkt und komplex, Collagen-Elemente, augenzwinkernd. Definitely ass-kicking.
Ein weiteres Element ihrer Kunst waren situationistische Interventionen: Den Alltag verfremdende Aktionen im öffentlichen Raum, die es dem Publikum ermöglichten, ihren Alltag neu zu erleben und womöglich poetisch auf die geschaffenen Situationen zu reagieren. So ließ Linda mit Mitstreiterin Ariane Müller den „ersten Flug einer Frau ohne mechanische Hilfe“ – eine riesige Frauenfigur aus Gasballonen in einem Netz – von der Wiener Secession aus in den Himmel aufsteigen, sie schüttete Münzen auf der Wiener Mariahilferstraße auf oder teilte Essen am Graben aus. Shock me sane.
Wichtig war ihr immer das Politische und die Ökonomie:
Die Frage der Arbeit im Kapitalismus und unser Konsumismus sowie die Position der Frau darin waren stets wiederkehrende Themen. Bei der Kritik an unseren Verhältnissen schloss sie sich selbst mit ein und hinterfragte immer wieder auch ihre Rolle.
Denn Linda Bilda war selbst Unternehmerin, die eine von ihr entwickelte und patentierte Technik vermarktete, die sie „light-glass“ nannte – eine Technik, die sie ebenfalls als einen ihrer vielen ästhetischen Stränge auch künstlerisch verwendete.
„Arbeite nie.“
Ihre künstlerische Praxis wollte sie stets in einem Umfeld maximaler finanzieller Unabhängigkeit realisieren – ein Aspekt, der ihr wichtiger war, als sich von Institutionen vereinnahmen zu lassen, insbesondere vom etablierten Kunstbetrieb.
Und bei aller Seriösität ihrer Themen servierte sie ihre Kunst gerne mit Humor und Ironie, einer sympathischen Verspieltheit und – Verletzlichkeit.
Auch Comics waren schon sehr früh ein Aspekt ihrer Kunstpraxis, ihres Ringens um eine emanzipatorische Bildproduktion. Aus ihrer Sicht waren Comics ein hervorragendes Tool, um gesellschaftliche Machtverhältnisse abzubilden und in sie einzugreifen. Linda Bilda gilt als eine der ersten Selbstverleger:innen der Comicszene Österreichs – unter anderen mit ihrem Zine „Art Fan“ und der Reihe „NO POLITCOMIX“.
All diese Aspekte bilden den Subtext des poetischen Politpops von „Die goldene Welt“, ihrem Comic als Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse, an dem Linda Bilda über fast zwei Jahrzehnte arbeitete.
„In Die goldene Welt treten sieben Protagonist:innen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ideologien gegeneinander an, um mit ihren Unternehmensideen den größten Profit zu erzielen. Im Verlauf zeigt sich, dass die Regeln und Versprechen dieses Systems brüchig sind: Die Versuche, zu gewinnen, scheitern – und mit ihnen die Vorstellung, dass sich wirtschaftlicher Erfolg als stabile oder gerechte Realität herstellen lässt.“
„Es sind holzige Comix gegen den Strich.“ – Stephan Dillemuth
Linda war eine absolute Ausnahmekünstlerin, in ihrem Werk und auch als Mensch inspirierend über alle Maßen.
Sui generis.
Danke, Linda, dass du da warst.
Und jetzt feiern wir den Release von Linda Bildas großem Comic – von ihrem Nachlass so werkgetreu wie nur irgendwie möglich fertiggestellt!
„Die goldene Welt“ Buchpräsentation
28.05.2026, 19 Uhr
Secession Wien
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Der Eintritt ist frei.

„Die Ökonomie ist nur die Vorstellung, die sich die Herrschenden von der Welt machen und von der sie wollen, dass man sie sich zu eigen macht.“
Linda Bilda
Die goldene Welt
Von Linda Bilda, Artclub Wien
Seitenanzahl: 88, Schwarzweiss, 22 x 28 cm, Softcover
ISBN: 978-3-200111-23-3
€ 22,00,-





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