Yves Noyau – Schweizer Comic-Zeichner

Auf Comics allein möchte Noyau sich nicht beschränkt wissen, er ist
einfach Allround-Zeichner. Mit seinen Bildern erzählt er aber stets und
kommuniziert mit dem Betrachter. Neben Comics („Über die habe ich lesen
gelernt.“), sind Höhlenmalereien, Art Brut und japanische Kalligraphie wichtige Bezugspunkte für seine Arbeit.

Soul SängerinEin
viermonatiger Japan-Aufenthalt im Jahre 1987 prägt ihn. Die japanische
Schrift, deren Buchstaben nicht nur Töne bedeuten sondern in sich
bereits Zeichen und Bilder sind, animiert Noyau. Als Autodidakt
versucht er die Technik des japanischen Zeichnens seriös zu erlernen.
Bald ist er jedoch von der Komplexität seines Unterfangens überwältigt.
Radikal beschließt er alles, was er je über das Zeichnen gelernt hat,
zu vergessen. Er fängt wieder von vorn an und zeichnet nun mit seinen
Fingern wie ein Kind.

Die Technik der Fingermalerei – geboren aus künstlerischer
Kapitulation – wird zu einem kreativen Experiment, das eine Reihe von
seltsam beklemmenden Geschichten hervorruft. In diesen entpuppt sich
Milosevic als sympathischer Kerl, der eine Ausstellung von Noyau
besucht, die Putzfrau des Psychoanalytikers löst die Probleme der
Klienten, ein Mann leidet an den Gerüchen, die aus seiner Nase strömen
und eine junge Afrikanerin, deren Genitalien verstümmelt wurden, gebärt
ein Kind. Diese fingergezeichneten Geschichten wurden in Les doigts sales, einer Publikation aus dem französischen Traditionsverlag Buchet Chastel, gesammelt.

Yves ist Zeichner mit Leib und Seele, der neben Fingermalerei
unterschiedlichste Techniken anwendet. Lesbarkeit und das Vermeiden von
visuellen Ballast sind wichtig für ihn und so sind seine Bilder
minimalistisch reduziert: Als Künstler lotet er den Grenzbereich
zwischen dem eindeutigen Abbilden von Dingen und dem Eröffnen maximaler
Interpretationsmöglichkeiten aus.

Zur Eisernen ZeitNoyau verdient sein Brot als Zeichner für die Zeitungen TAGESANZEIGER und BILANZ und als Illustrator des Programmheftes der Zauberlaterne, dem größten europäischen Film-Club für Kinder. Weiters illustriert er die Musikzeitschrift Vibrations,
für die er seit deren Gründung tätig ist, und er ist Dozent für
Illustration an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern. Er
ist auch Autor des Kinderbuchs Bonnes vacances Salbette.

Noyaus Skizzenbuch zum Thema Wien ist vom 17.4. bis zum 26.5. im Kabinett
für Wort und Bild

zu sehen. Der Schweizer Ausnahmezeichner war im März 2005 Artist in
Residence und bezog auf Einladung des Kabinetts ein Gastatelier im Museumsquartier.

 

Alle hier abgebildeten Zeichnungen copyright bei Yves Noyau

Ubahnpeople – Ausstellung am 16.05.08

Eine Auswahl seiner aktuellen Portäts
der Ubahnpeople wird am Freitag den 16.05.08 ab 20.00 Uhr
in der "temporären Lounge" Wiens in der Favoritenstraße Ecke Taubstummengasse, 1040 Wien
gezeigt.
Wer hinkommt, entdeckt
vielleicht
sein eigenes Porträt an der Wand.

Hannes Gröblachers Ubahnpeople (Click zum Flyer-Download als pdf) kann man jetzt auch im Netz bewundern: www.ubahnpeople.com 

 

 

 

 

 

DIE HASENCHRONIKEN Band 02 von Laas

"Unglaublich! Vor 6 Jahren verübte er einen tätlichen Angriff auf George W. Bush.
Seither
– wurde er gehirngewaschen,
– von einer fliegenden Bärin gerettet,
– ging er in den Untergrund und
– verlor den Glauben an die Revolution.

Jetzt ist er wieder da! – Hase Stoffel, der „Sigurd“ der 9/11-Generation!!
Im 2. Band der irrwitzigen Hasen-Chroniken erleben Sie wie

– sich Bush verdoppelt,
– Stoffels Herz bricht,
– General Reinhart Kochrezepte ausprobiert und
– die Revolution scheitert (schon wieder)!

In Gastrollen: Der Bongokönig, Jamie O. und… Gott !!!"

Es ist eine falsche Welt…Die Hasenchroniken – Band 2 von LAAS
Piccolo-Format, 20 Seiten, Preis: EURO 3,30,–
Erhältlich im PICTOPIA Online-Shop. 

 

Ebenfalls wieder erhältlich im Shop: Band 1 der Hasenchroniken

Und den jeweils aktuellen HASENCHRONIKEN-Strip der Fortsetzungsabenteuer von Hase Stoffel gibt’s in der Printausgabe von MALMOE

Ausstellung „Comic-Land Schweiz“

Am Eröffnungswochenende kann man das Comic-Machen auch live ausprobieren: In zwei Workshops mit den Schweizer Comiczeichnern Yves Noyau und Anna Sommer werden wortlose Comics entworfen. Es gibt weiters auch einen für Schülerinnen und Schüler, bei dem den Gewinnern feine Preise winken.
PICTOPIA bietet für die Dauer der Ausstellung an jedem Wochenende
Schweizer Comics zum Verkauf an. Viele dieser Bücher wurden extra
anlässlich der Ausstellung importiert und werden in Österreich zum
ersten Mal überhaupt angeboten. Einige Titel sind sogar in
französischer Originalsprache.

Die Öffnungszeiten des PICTOPIA-Schweizer Comics-Shop sind stets
Freitag (15.00 – 20.00 Uhr) und Samstag und Sonntag (jeweils 10.00 –
20.00 Uhr).

Zusätzlich geöffnet:
am Donnerstag, 5.10. Eröffnungstag: 18.00 bis Schluss
am Samstag 7.10. Lange Nacht der Museen: 10.00 bis 01.00 Uhr
am Donnerstag 26.10. Nationalfeiertag, Schlussfest mit Dschungel und Preisverleihung: 18.00 Uhr bis Schluss

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, den 5.10.2006,
um 18.00 Uhr im freiraum im quartier 21 statt. Die Ausstellung
"Comic-Land Schweiz" ist bis 29. Oktober 2006 zu sehen (täglich von
10-20 Uhr), Führungen werden angeboten. Kein Eintritt, die Teilname an
den Workshops des Eröffnungswochenendes ist kostenlos.

Ausstellung "Comic-Land Schweiz"
Vom 5.10. bis 29.10.2006
im freiraum (quartier 21, MuseumsQuartier Wien)
Museumsplatz 1, 1070 Wien
täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr
www.jungeschweiz.at

 

Plakat-Abbildung copyright bei der Schweizer Botschaft in Wien und dem MuseumsQuartier Wien 2006 

Martin Tom Dieck Das erste Wiener INDEPENDENT COMIX FESTIVAL findet vom 6. vom 11. März 2006 statt! Die ausstellenden Zeichner nehmen sich der Räumlichkeiten an und gestalten diese aktiv um. Künstler können eigene Kreationen originell präsentieren, die Veranstaltungsräumlichkeiten bemalen und ausgesuchte Visuals via Beamer projezieren. (Zeichnung von Martin Tom Dieck)

 

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Independent Comix Festival Wien 2006

 

Veranstaltungsort ist der Verein WATTESTÄBCHEN,
Lehargasse 15, 1060 Wien (gegenüber vom Semperdepot, links von der
Girardi-Bar). Das Wattestäbchen wird in der Woche des Festivals Mo-Fr,
von 17-22 Uhr geöffnet sein.

Neben einer spannenden Produkt-Auswahl an lokalen und internationalen
Independent Comics sind auch eine Getränke-Bar, eine Lese-Ecke sowie
ein Dokumentarfilm zum Festival vorgesehen. Das Festival präsentiert
neben Comics auch andere kreative Produkte (T-Shirts, Poster, etc.).

Hier findet ihr zwei Blog-adressen, auf denen weitere Informationen zu finden sind:
www.independentcomixfestival.blogspot.com
www.wattestaebchen.blogspot.com

Wer eigene Produkte präsentieren und via Wandbemalung oder Projektion
aktiv mitmischen will, der kann die Veranstalterinnen via Email
kontaktieren:
independentcomix@gmx.net

Der PICTOPIA Independent Comics-Stand wird natürlich auch vor Ort
sein. Wir hoffen auf eine lockere und inspirationsreiche Atmosphäre
(und gute Musik).

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Festival, die allerdings von anderen Leuten organisiert werden, siehe:

www.machfeld.net
www.underdogfilmfest.org

 

Copyright der hier abgebildeten Zeichnung: Martin Tom Dieck, www.mtomdieck.net, Auszug aus "Hundert Ansichten der Speicherstadt" (Arrache Coeur/Edition Moderne, Vortex/FRMK) – vielen Dank! 

 

Christoph Abbrederis: Ein Portrait

Der Werbe-Fuzzi

Abbrederis ist viel gereist: nach dem Studium der Angewandten in
Wien siedelt er in den 80er Jahren in New York; dann folgt ein längerer
Aufenthalt in Madrid, wonach ihn sein Weg zurück nach Bregenz führt.
Stets ist er am Zeichnen. Der Boom der Handzeichnung in der
Werbebranche in den 80er Jahren fällt zusammen mit seinem Aufenthalt in
New York. Arbeiten für THE COSMOPOLITAN und andere Blätter begründen
Abbrederis‘ claim to fame. Damals hatte er auch einen Agenten für seine
Aufträge, dann brach der Illustrations-Werbemarkt ein. Bis zum heutigen
Tage geniert er sich nicht dafür kommerzieller Werbezeichner zu sein.
"Das mache ich ganz gern. Werbung ist wenigstens kopflastig!" An erster Stelle steht für ihn jedoch immer das freie Illustrieren (Bücher, Editorials, u.s.w.).

Der Zeichner

Illustration, Komposition, Zeichnen: diese Themen bewegen ihn. Als
Inspiration dienen (u.a.) die Covers des Magazins THE NEW YORKER: "Wenn
man sich diese Covers
ansieht, findet man einen repräsentativen Showcase der modernen
Illustration: sämtliche Künstler, die auf diesem Gebiet etwas
beigetragen haben, sind hier vertreten. Es gibt wenig bessere
Ausgangspunkte, um die verschiedenen Zugänge zu einer Bildkomposition
zu studieren."

Starke Passion bringt Abbrederis für illustrierte Kinderbücher auf.
Von diesen hat er auch in den letzten 10 Jahren einige in die Welt
gesetzt (u.a. KAKAOSTERNCHEN und ULAN BATOR für das Niederösterreichische Pressehaus).

 

Derzeit sucht Abbrederis nach einer deutschen Übersetzung für sein
Projekt FRED UND JULIE (in Spanien erschienen). Ein episches
Kinderbuch, welches von Abbrederis´ Ex-WG-Mitbewohner getextet wurde,
der nebenbei auch Anwalt für Menschenrechte ist. "Ein guter Texter, der
für illustrierte Bücher schreibt, der muss sich zurückhalten können. Er
muss sumpfig genug erzählen, damit es parallel zu seinen Worten noch
eine zweite Ebene geben kann. Im Text müssen einfach Lücken bleiben,
die erst die Existenzberechtigung für die Zeichnungen geben. Die
Illustrationen sollen den Text interpretieren." Bei anderen
Manuskripten, die für sich schon komplett sind, sind Bilder stets nur
Beiwerk, welches abzuliefern für Abbrederis wenig Reiz hat.

 

Comic-Tagebuch: Das tägliche Scheitern

Comics an sich interessieren Abbrederis zwar ("Die Comics von Lynda
Barry sind Weltliteratur!"), sind jedoch nur Bestandteil eines bunten
Mix. "Inspiration hol ich mir von überall her, ich such nicht danach,
es gibt immer wieder etwas, das mich trifft oder überrascht. Dem widme
ich mich dann." Für sein aktuelles Comic-Tagebuch DAS TÄGLICHE SCHEITERN
diente das echte Leben als Vorlage: Jeder Tag "mit all seinen
depressiven Wirklichkeitsbeobachtungen, idealen Wunschvorstellungen und
tolerablen Zwischenpositionen" bekommt seine Dokumentation im
Comic-Strip-Format (vom Format her vergleichbar mit AMERICAN ELF von James Kochalka). Den Spass an der Sache merkt man beim Lesen sofort – jeder findet hier die eigenen Neurosen wieder.

Entstanden ist das Comic-Tagebuch aus einer Auftragsarbeit für eine
Zeitung, deren Redakteure die Strips nicht verstehen konnten, aber
darüber lachen mussten. Ganz gutes Feedback, also blieb Abbrederis
dran. An die Veröffentlichung dieser Strips denkt er momentan aber
nicht. Unlängst wurde das originelle Tagebuch sogar mit einer eigenen
Ausstellung im Museumsquartier gewürdigt. Warum also nicht einen
Verleger suchen? "Wenn überhaupt, dann sollten die Sachen in einer
Zeitung abgedruckt werden. Es gibt eh keine guten Zeitungsstrips, die
etwas mit den österreichischen Lesern zu tun haben. Jeder zerdenkt
ständig alles und forscht, wie man am besten seine Zielgruppe
befriedigen kann, aber niemand probiert einfach mal was aus. Man
reprintet immer nur alte amerikanische Strips." Material hat er auch en
masse: "Man muss die Leute nur beobachten, dann findet man eh alles,
was man zum Pointen schreiben braucht."

 

Eine repräsentative Auswahl von Christoph Abbrederis´ DAS TÄGLICHE SCHEITERN-Comic-Tagebuch-Strips findet man in PERPETUUM, der Anthologie der österreichischen Comic-Szene (Luftschacht, 2008).

 

Alle Zeichnungen: copyright Christoph Abbrederis  

 

STRAPAZIN-Ausgabe zur Comic-Szene Österreich (Nr. 78)

Passend zum Anlass gibt es am 13. März ab 18.00 Uhr in Anwesenheit
namhafter Vertreter der Schweizer Comicszene im Kabinett für Wort und
Bild (quartier 21 / Museumsquartier Wien) eine Präsentation des Heftes.
Ausserdem findet an diesem Tag im KABINETT die Ausstellungseröffnung
des Schweizer Zeichners Yves Noyau statt. Weitere Gäste sind u.a.  Anna Sommer und Edition Moderne-Verleger David Basler.

und

STRAPAZIN ist das wohl einzige deutschsprachige Pendant zum Comics Journal:
hoher Qualitätsanspruch und zähe Langlebigkeit (20 Jahre!) zeichnen
dieses feine Züricher Magazin aus. Mein erster Kontakt mit STRAPAZIN
war in Berlin 2003. Plötzlich gab es da ein Comic-Magazin zum Thema
"Kaffeehaus". Lokalpatriotismus erwachte, die Neugier siegte: was hat
die Comics-Avantgarde zu diesem Wiener Thema zu sagen? Ein erster Blick
zeigte, dass STRAPAZIN zumindest Journalismus und Grafik ernst nimmt.
Intelligente Beiträge, kompaktes Layout, gut leserlich und viele
Zeichnungen – gekauft!

Was STRAPAZIN von diversen Comics-Fachblättern abhebt, ist der
thematische Fokus und das Layout. Die Redaktion arbeitet in den eigenen
"STRAPAZIN-Ateliers" und das Heftlayout wird im Rotationsverfahren von
unterschiedlichen Grafikern gestaltet. Die Freude an grafischer
Ästhetik spürt man dann beim Lesen. Gebracht wird die Creme de la Creme
internationaler Zeichenliteratur; dabei wird den unterschiedlichen
lokalen Szenen breiter Raum geboten. Die letzte Heft-Ausgabe hieß
"Nordlichter" und beleuchtete die skandinavische Szene. Andere Ausgaben
bilden etwa Hommagen an graphische Genies wie Gary Panter oder Krazy Kat´s George Herriman.

STRAPAZIN 77"Seit
20 Jahren bietet das vierteljährlich erscheinende Comic-Magazin
STRAPAZIN innovativen Comic-Schaffenden aus dem In- und Ausland eine
Plattform und hat sich als das wichtigste und meistzitierte
Comic-Magazin für Erwachsene im deutschsprachigen Raum etabliert."

"Es ist das einzige Heft, das man kaufen muss", meint der
helvetische Comicexperte Cuno Affolter. "Die regelmäßige
Erscheinungsweise und seine Ideologie machen STRAPAZIN einzigartig. Es
hat sich konstant verbessert und tritt immer mit Neuerungen auf.
Wichtig ist es insbesondere, weil es junge Zeichner fördert und neben
etablierten Künstlern auch die Avantgarde aus Amerika und Frankreich
publiziert. Man muss nicht immer mit allem einverstanden sein, doch die
Mischung ist, weil sie nicht allzu homogen ist, für den Leser immer
sehr spannend."

Joachim Caps (derzeit Chefredakteur von Tokyopop) schreibt über STRAPAZIN: "Und
was immer das Team um Herbert Meiler, David Basler und Barbara Arpagaus
auch machte, alles war ein klein wenig anders als in anderen Magazinen.
Da gingen die Themen neue Wege, dominierte im Schreiben der persönliche
Blick und zeigte die Gestaltung sich durch ungewöhnliches Layout
aufmüpfig (bis heute teilen sich das Heftlayout vier Grafiker im
Rotationsprinzip – Roli Fischbacher, Peter Bäder, Joe Zimmermann und
Emanuel Tschumi). Selbst die Werbung wurde für die Leser und
Anzeigenkunden zum Spaß – da exklusiv von Comiczeichnern gestaltet."

 

Cover-Abbildungen Copyright STRAPAZIN 

 

Interview mit Edda Strobl von Tonto Comics (2005)

Veröffentlicht werden vorrangig heimische Zeichner, die
grafisch etwas zu bieten haben. Was TONTO von einem Meer an
Kleinverlagen abhebt, ist erstens ihr Aktivismus: TONTO organisierten das Grazer Comic Festival, welches spannende Workshops, quirlige Comic-Jams und internationale Gäste wie Stripburger und Aleksandar Zograf aufweisen kann.

Der zweite Punkt, über den sich TONTO differenziert, ist ein
hervorragender Sinn für Design: die publizierten Comics haben ein
individuelles Format, welches die persönlichen Visionen der Erzählenden
unterstreicht. Der Bogen der entstanden Formate reicht über
Mini-Comics, eine eigene Heftserie (mit variierenden Papierstärke,
Schwarzweiß- sowie Farbbeiträgen, und 2 unterschiedlichen Heftgrößen)
bis zu zwei Anthologie-Bänden in Softcover (und was für ein Cover!).

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Bislang lag der Fokus auf der Veröffentlichung vor allem grafisch
experimenteller Comics, wobei sich in letzter Zeit auch wieder ein
Zugang zur traditionellen, abbildenden Erzählweise herausgebildet hat.
TONTO wollen sich nicht vorschnell einordnen lassen. Der Verlag
wird von einer Handvoll Enthusiasten – allen voran Edda Strobl und
Helmut Kaplan – betrieben, die alle auch selber zeichnen. Bislang ist
TONTO die größte und renommierteste Plattform, die österreichischen
Comic-Zeichnern eine Veröffentlichung bieten kann.

Die letzte größere Veröffentlichung ist Tonto Comics Nr 09: „JACK, MOM UND DIE ANDEREN“ (sämtliche Tonto Comics sind über PICTOPIA erhältlich).

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Wenn du an „Comics“ denkst, woran denkst du? Was ist deine spontane Assoziation?

Zu Hause.

Warum magst du Comics?

Ich bin mit Comics aufgewachsen. Ende der 60erJahre habe ich von
meinem Vater mein allererstes Mickymausheft bekommen, das mich dermaßen
beeindruckt hat, dass ich heute noch weiß, welche Charaktere darin
vorgekommen sind. Besonders in Erinnerung ist mir das schwarze Phantom
mit den blauen Glanzlichtern auf seinem Kostüm. Das war sozusagen die
Initialzündung.

Seitdem waren Comics einfach immer da, manchmal mehr, manchmal
weniger. Da ich selber bildende Künstlerin bin und immer narrativ
gearbeitet habe war es nur eine Frage der Zeit bis ich auch hier bei
Comics lande. Plus, Comic ist einfach die selbstverständlichste
künstlerische Praxis mit Text und Bild umzugehen.

Kommen wir zu TONTO: Wie viele
Publikationen habt ihr schon herausgebracht (mal abgesehen von den
Festival-Plakaten, die als Graphic Design-Kunstwerke für sich stehen)?

5 TONTO-Comics, 1 Parabolica (Parabolica ist eine lange Geschichte;
Teil 1 wurde als TONTO-Comic #6 herausgegeben), 44 MiniComics, 1 Comicfestivalbuch.

Was heckt denn TONTO zur Zeit aus? Arbeitet ihr gerade an neuen Publikationen?

Heuer sind 2 Parabolica und 1 TONTO-Comic geplant, plus das Comicfestivalbuch 2004.

Wie beurteilst du die Comic-Szene in Österreich? Wo passiert gerade was? Gibt’s nur Graz und Wien?

Von Ende 2000 (als wir die Comic-Schiene auf TONTO zu betreiben
angefangen haben und ich mich mehr in Österreich umgeschaut habe) bis
heute scheint sich ganz viel getan zu haben. Wahrscheinlich hat es „die
Szene“ ja immer schon gegeben, in Wien etwa und ich habe es nicht
mitgekriegt, weil mich die Österreicher lange gar nicht interessiert
haben. Mittlerweile weiss ich, dass sich in Linz was tut, und in
Salzburg kenne ich zumindest Comiczeichnerinnen, der Westen Österreichs
ist mir noch fremd, obwohl ich überzeugt bin, dass es gerade da einiges
geben muss…

Welche TONTO -Titel würdest du besonders empfehlen?

Zum Einsteigen sind die Parabolica-Hefte sicher geeigneter.

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Die
„klassischen“ TONTO -Comics sind ja eher experimentell im Erzählen,
aber da findet man grossartige Zeichner… wie Clemens Stecher, Norbert Gmeindl, Helmut Kaplan oder Michael Jordan, etwa.

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(Abbildung: PETIT BONK von Helmut Kaplan, 2008, Heft 09 der Automatenobjekte in der Kabinett-Comic-Passage)

Als geneigter Leser, wie kommt man zu TONTO-Comics?

Bestellen bei
comics@tonto.at
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können

, einige Bezugsquellen sind auch auf der TONTO-Webseite angegeben. (Anmerkung der Redaktion: sämtliche Tonto-Publikationen sind nun über PICTOPIA erhältlich.)

Glaubst du, wäre es prinzipiell eine
gute Werbe-Idee, die Werke einzelner Zeichner im Web zu
veröffentlichen: also eine Serialisierung über das Internet (pro Woche
eine Seite bzw. ein Panel, mit Archiv)?

Web-Comics sind prinzipiell ok. Als Werbe-Idee: Schwierig, da das
Internet als Werbe-Maschine – der ganze Spam usw. – einen grundsätzlich
ziemlich nerven können. Intelligente Werbung ist allerdings überall
echt eine ziemliche Herausforderung.

Internetbezogen bin ich Purist, im übrigen. Ich mag Seiten, die
schnell laden, in denen der Fokus auf dem Wesentlichen liegt, die wenig
Design haben… usw. Am liebsten schnöde einfache HTML-Seiten… und
wenn notwendig Datenbanken, Suchmaschinen.

Serialisierung [von Comics im Internet finde ich nur] bedingt
[gut], kommt echt drauf an, ob sich die Geschichten dafür eignen:
nämlich die Neugier des Lesers zu wecken und über einen längeren
Zeitraum zu halten. Das meiste, was ich bis jetzt gesehen habe, hat
mich qualitativ nicht überzeugt. Im Netz sollten vielleicht auch eher
Comics veröffentlicht werden, die ohnehin am Computer gemacht oder
endgefertigt sind, also im Medium bleiben…

Erzähl uns doch ein bisschen was über
das Comic Festival Graz, welches TONTO veranstaltet. Ich glaube bis
jetzt stieg das ganze zweimal, 2003 und 2004, jeweils mit
internationalen Gästen.

Lange Geschichte, vielleicht besser nachlesen auf der Festivalseite, da ist die Struktur des Festivals beschrieben. Daraus erklärt sich dann schon einiges.

Wird es auch 2005 ein Comic Festival Graz geben?

Das wissen wir noch nicht so genau. Das Problem ist: zuviel Arbeit für
zuwenig Leute um zuwenig Geld. Doch wahrscheinlich siegt der Idealismus
und wir machens doch… Es wird dann im September im Forum Stadtpark
steigen (Doch wir denken auch darüber nach, das Festival 2-jährig zu
veranstalten).

Ist das Festival von Fördergeldern abhängig? Wenn ja, wie schwer sind die zu bekommen?

Ja, abhängig. Grundsätzlich ist es gar nicht so nicht schwer, Geld
zu bekommen, vor allem weil wir mit dem ersten Festival sehr
erfolgreich waren. Nur die Summe, die man tatsächlich braucht,
[alleine] über Fördergelder aufzustellen, ist faktisch unmöglich. Bei
der Grössenordnung unseres Festivals bräuchten wir auch finanzkräftige
Sponsoren. Und einen Geldbeschaffungsprofi im Team, den wir einfach
noch nicht gefunden haben… Was Fördergelder anbelangt ist die
Steiermark und die Stadt Graz im übrigen ziemlich speziell… Letztes
Jahr haben wir Zu- und Absagen so spät bekommen, dass wir lange nicht
wussten, wie wir überhaupt planen sollen…

Wie „teuer“ war denn das letzte Comic Festival?

Realkosten um die 50.000,-; Fördergelder 26.000,-; der Rest
Eigeninvestition, viel Sponsoring von Freunden, Gratis-Arbeit etc. Das
geht aber auf die Dauer nicht…

Wieviele Besucher sind geschätzt gekommen?

Ca. 2000.

Was war denn zuerst da: TONTO der Verlag, oder TONTO der Organisator des Festivals?

Der Verlag/die Künstlergruppe. Die TONTO-Gruppe ist der Kern, um den sich alle Aktivitäten aufbauen…

Fühlst du dich als Zugehöriger zu einer Szene? Wenn ja, was wünschst du dir von dieser Szene?

Dass sie viel Lebenszeichen von sich gibt…

Wie sieht es mit euren internationalen
Kontakten aus? Habt ihr vor, auch ausländische Zeichner, beispielsweise
Leute wie Aleksandar Zograf, im TONTO Verlag zu veröffentlichen?

Zograf haben wir etwa im
Parabolica und wir versuchen schon internationale Leute mit
reinzubekommen, aber das hat keine Eile. Überhaupt haben wir keine
Eile. Ich glaube eher daran, dass die Sachen Zeit zum Wachsen haben
müssen, wenn sie Bestand haben sollen.

Wofür steht der Name „TONTO“ eigentlich? Von wo kommt „TONTO“? Hat „TONTO“ ein Geschlecht?

Helmut hat Anfang der 90er sein Tape-Label „TONTO“ genannt, der
Name ist später wieder aufgenommen worden als die CDR-Reihe begann.
TONTO ist ein Apachenstamm, ein Pferd von Lone Ranger, heisst auf
Spanisch „verrückt“ oder „doof“, und in Brasilien gibt es noch ein
Comic-Label das so heisst, haben wir vor kurzem rausgefunden.

Welche Tips würdest du jemandem geben,
der seinen/ihren eigenen Verlag gründen will? Was ist wichtig zu
beachten? Was hat euch geholfen? Welche Erfahrungen kann man sich
ersparen?

Sich Zeit lassen, sich überlegen, was man tatsächlich will, wohin man
will. Immer nur Szenen abzubilden, damit bekommst du keine Qualität.
Auf die Qualität schauen…

Vertrieb usw., da fragst du die Falsche…

Wenn du in der Früh (oder wann immer) aufstehst, was treibt dich voran, motiviert dich?

Tja, das ist die Frage. Vielleicht der Zwang sich in die Senkrechte
zu begeben, um einen Kaffee zu trinken. Katzen füttern, die mich
vorwurfsvoll anglotzen. Wenn ich in der früh Comics lesen würde, käme
ich wahrscheinlich nicht aus dem Bett.

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Edda Strobl-Foto copyright bei Edda Strobl

Alle Abbildungen copyright bei Tonto Comics und den jeweiligen ZeichnerInnen

Interview mit Nicolas Mahler (2005)

Lone Racer
Nicolas Mahler muss man hier wohl nicht mehr vorstellen. Nichtsdestotrotz hier eine Einleitung:

Wienweit bekannt ist seine Kreation FLASCHKO – der Mann in der Heizdecke,
die es bereits zu zwei Versionen gebracht hat: einerseits als Trickfilm, andererseits als Comic Strip. Graphisch reduziert,
wie alles von Mahler, thematisiert er die Beziehung zwischen Flaschko,
dem Mann in der Heizdecke, und seiner Mutter. Der Fernseher ist
ebenfalls ein bedeutender Player in den surreal leicht überspitzten
Episoden.

Mahler beherrscht das Comic-Medium meisterlich: zumeist trocken und
sehr spitz porträtiert er das Leben leicht verschrobener Charaktere.
Scheinbar mühelos geht es psychologisch in die Tiefe, bleibt aber immer
frisch und witzig. Mahler bleibt der Humor-Tradition der ersten
Zeitung-Comic Strips treu, und sein Witz ist subtil und nuancenreich:
die ganze Palette des Lebens hält hier Einzug und breitet sich in
seinen Geschichten aus.

Versiert im Erzählen von kurzen Strips und Gag Cartoons, zeigt sich
in letzter Zeit aber eine Tendenz zu langen Stories: kurze Gags mit
Pointe machen längeren Geschichten Platz. Besonders außergewöhnlich ist
Nicoals Mahlers weit entwickeltes graphisches Vokabular voll Ecken und
Kanten und wirren kurven, das gerade aufgrund seiner Reduziertheit eine
aufregende Lesbarkeit entfaltet. Mahler lebt und arbeitet in Wien,
kommt aber dabei sehr viel rum in der Welt. Sein letzter Comic ist Van Helsing´s Night Off für Top Shelf (zu deutsch erschienen als VAN HELSING MACHT BLAU bei Reprodukt). Auch empfehlenswert mein persönlicher Favorit KUNSTTHEORIE VERSUS FRAU GOLDGRUBER.

Wenn du an "Comics" denkst, woran denkst du? Was ist deine spontane unzensierte Assoziation?

Kinderkram.

Warum magst du Comics? Was zeichnet Comics aus?

Sie sind angenehm unprätentiös.

Unserer Erfahrung nach haben recht
viele junge Leute ein sympathisches Bild von Comics, und sind
prinzipiell interessiert an diesem Medium. Das Interesse reicht aber
selten aus, dass sie tatsächlich Comics kaufen. Ist das auch deine
Beobachtung? Wenn ja, warum ist das so, deiner Meinung nach?

Wenn ich von mir ausgehe, und ich kaufe ja selber auch keine Comics,
dann ist das große Problem, dass die meisten Comics inhaltlich einfach
unzumutbar sind. Rein inhaltlich fallen mir leider nicht sehr viele
Comics ein, die ich auch einem literarisch Interessierten empfehlen
würde. Andererseits wäre das ja ein Garant für Massenerfolg, also
versteh ich’s eigentlich auch nicht.

Woran arbeitest du zur Zeit? Comic oder was anderes?

Ich hab gerade die Arbeit an einem neuen Film abgeschlossen, der im
März bei der Diagonale Premiere hat, und hab mit den Vorbereitungen für
den nächsten begonnen.

Wenn ich es mir nicht wieder anders überlege, wird das dann ein etwas eigenartiger "Experimentalfilm".

Dann überlege ich gemeinsam mit den Leuten, die mein Buch KRATOCHVIL
als Bühnenstück umgesetzt haben, ein neues Theaterprojekt. Und in
Kanada wird demnächst mein erster Gedichtband erscheinen! Ich versuche
meinen eigenen Ladenhüterrekord zu brechen, und da kommen mir Gedichte
noch am zielführendsten vor. Vor allem, da nicht einmal Gedichte im
herkömmlichen Sinn drin sein werden. Mein Ziel ist es, weniger als 5
Exemplare zu verkaufen.

Wie verteilt sich so in letzter Zeit
dein Arbeitspensum? In einer durchschnittlichen Woche, arbeitest du
beispielsweise zu 60% an Comics und zu 40% an Illustrations-Jobs?

Illustrations-Jobs hab ich nicht viele, und wenn, dann aus dem Ausland.
Dafür sind die wenigen dann meist recht gut bezahlt, da kann ich mir
dann erlauben, Wochen an einem brotlosen Buch zu arbeiten. Aber im
Prinzip, würd‘ ich sagen, teilt sich die Zeit in 80% für Arbeiten aus
Eigeninitiative, und 20% für Aufträge.

Fühlst du dich als Zugehöriger zu einer Szene? Wenn ja, was wünschst du dir von dieser Szene?

Teil einer Szene bin ich sicher nicht, vor Szenen gruselt es mich
eher, in Wien kann man das ja sehr schön beobachten, es ist ekelhaft.
Ich find’s angenehm, Einblick in viele Szenen zu haben, aber nicht
wirklich dazuzugehören.

Welche Künstler interessieren dich gerade? Wer macht zur Zeit spannende Dinge (egal ob Comic oder sonstwas)?

Ich bin kein Fan-Typ, und kann mich schwer für etwas haltlos
begeistern. Es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die ich gut finde, aber
auf Personen kann ich das jetzt nicht ausweiten. Es macht ja jeder
irgendwann unglaublichen Scheißdreck, und dann wieder bessere Sachen.

Du bist international bekannt, deine
Bücher sind in mehreren Sprachen bei mehreren internationalen Verlagen
rausgebracht worden. Wenn nicht in Wien, wo würdest du dann gerne leben?

Wien bietet sich beruflich für einen Zeichner meines Stils natürlich
überhaupt nicht an. Aber das Positive am Zeichnen ist ja, dass man mit
relativ wenig Aufwand auch im Ausland publizieren kann, und das nutze
ich schon aus.

Was ist deiner Meinung nach wichtig,
um eine Laufbahn als Künstler einzuschlagen? Was hat dir geholfen?
Welche Erfahrungen kann man sich ersparen?

Tips kann ich da sicher keine geben, es geht ja jeder anders vor. Am
besten ist natürlich, wenn man sonst nichts anderes kann, da muss man
dann nicht allzuviel überlegen.

Wenn du in der Früh (oder wann immer) aufstehst, welche Gedanken treiben dich voran, motivieren dich?

Wenn ich das wüßte.

Gibt es noch eine Frage, die wir zu stellen vergessen haben, die du aber trotzdem beantworten möchtest?

Nein.

(Alle Abbildungen copyright Nicolas Mahler )

Nicolas Mahler beim Interview

 

 

Royal Comic Drawing Jam #04 in Graz

Der Royal Comic Drawing Jam
findet monatlich in Graz statt und richtet sich an Comicinteressierte und -tätige, ZeichnerInnen sowie
MedienvertreterInnen aller Alters- und Entwicklungstufen:

Freitag, 16. Mai 2008 / ab 18.00h (open end)
Forum Stadtpark/Saloon (Erster Stock)
Stadtpark 1
A 8010 Graz

Motto des Drawing Jams: Pencil Mania – Don´t dream it, draw it!

Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos. Zeichenmaterial + Papier
bitte selbst mitbringen. Für eine Grundversorgung an Snacks und
Getränken wird gesorgt. Späterkommende müssten unter
0699/10264976 anrufen, da das Forum um diese Uhrzeit offiziell geschlossen ist
und die Eingangstür verschlossen bleiben muss.

Don´t dream it, draw it!
Monthly Royal Styrian Drawing Jam
Die VeranstalterInnen
Anna-Maria Jung / Florian Satzinger / Jörg Vogeltanz
http://royalcomicjam.blogspot.com

hier noch der Flyer vom letzten Drawing Jam: 

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